[Thorsten Herdan, Abteilungsleiter „Energiepolitik – Wärme und Effizienz“ im Bundeswirtschaftsministerium, beantwortete am 8. Juni live Fragen rund um den effizienten Umgang mit Energie.]

Moderatorin:

„Wir sind endlich drauf – live bei euch. Herzlich Willkommen zu BMWiLive. Zum allerersten Mal heute. Ihr guckt gerade live ins Bundeswirtschaftsministerium. Es ist nicht so spannend zum Angucken in dem Raum hier, aber total spannend zum Zuhören und Mittalken. Wir sind live nicht aus Spaß, sondern weil Ihr mitreden sollt. Eine Talkshow – sage ich immer – die mit euch zusammen stattfinden soll. Liked uns, teilt uns und vor allem redet mit. Kommentiert, stellt Fragen – dazu ist das ganze da. Es soll immer um verschiedene Themen gehen, alles Mögliche, was unter diesem Dach besprochen wird. Es soll mit ganz verschiedenen Leuten stattfinden, die hier talken. Das mache nicht ich, aber ich bin immer hier dabei. Es werden natürlich Fachleute hier sein. Alle möglichen Menschen, die hier arbeiten. Manchmal Minister, Staatssekretäre, Abteilungsleiter und zu unserem heutigen Thema Wundermittel Energieeffizienz – Ihr wisst es – da haben wir den Allermutigsten, nämlich weil er der erste ist. Wir sind heute die erste Livetalkshow BMWiLive. Es ist Thorsten Herdan. Lachen Sie nicht. Doch, lachen Sie. Also, ich trau mich. Ich bin auch mutig.

Herzlich Willkommen, Thorsten Herdan. Ich bin ein bisschen aufgeregt, das haben Sie ja gerade gehört. Sind Sie auch aufgeregt?“

Thorsten Herdan:

„Nur ein bisschen. Kaum, aber dann kompensieren wir das. Hallo da draußen.“

Moderatorin:

„Thorsten Herdan ist Abteilungsleiter Energiepolitik – Wärme und Energieeffizienz. Was macht man da? Was machen Sie da?“

Thorsten Herdan:

„Was macht man da? Politik.“

Moderatorin:

„Eine Berufsbeschreibung in einem Satz.“

Thorsten Herdan:

„Ich kümmere mich darum, dass wir die Energiewende voranbringen und das in mehreren Ecken. Insbesondere bei dem Thema Energieeffizienz. Das heißt, ich kümmere mich darum, dass es nicht nur um Strom geht, nicht nur darum, wie wir Strom von A nach B kriegen, sondern auch darum, wie wir mit der Energie umgehen. Da finde ich es ganz gut, wenn man ein bisschen effizienter damit umgeht, ohne dabei sparen zu müssen, ohne sich einschränken zu müssen.“

Moderatorin:

„Das heißt, dass Sie eigentlich einen kreativen Job haben, weil Sie sich ausdenken, wie man das so machen kann.“

Thorsten Herdan:

„Kreativ ist das sowieso in den Ministerien. Für alle die glauben, wir sitzen hier auf den Stühlen – lauter Bürokraten – das ist extrem kreativ, gerade die Energiewende, weil wir mit Euch diskutieren wollen, mit Euch auch überlegen wollen, wie kann man es besser machen, wie kriegt man es etwas lebenswerter hin, wie kriegen wir es schöner hin, wie kriegen wir es besser hin – auch für unsere Kinder. Also, super kreativ. Bewerben könnt Ihr euch auch hier.“

Moderatorin:

„Sagen Sie doch mal. Ich finde, man sollte erst ein bisschen Energie und Wärme sparen hier bei uns im eingerichteten Studio, ich find‘s unglaublich warm.“

Thorsten Herdan:

„Es ist bullenheiß hier drin, für alle die draußen gucken, es ist affig heiß.“

Moderatorin:

„Wo seid Ihr eigentlich gerade? Vielleicht ist ja jemand jetzt am See mit dem Smartphone und guckt das. Aber Herr Herdan, passen Sie auf, Ihr Lieblingswort bei der Arbeit ist die Energieeffizienz. Sagen Sie mal was dazu, was meinen Sie damit?“

Thorsten Herdan:

„Was ich damit meine, ist, dass man sich nicht einschränken soll, dass man Energie verbraucht. Jeder von uns verbraucht Energie, beim Heizen, beim Autofahren, beim Lichtanmachen und so weiter. Sondern, dass man intelligent überlegt, wie man Spaß daran hat festzustellen, wie man möglicherweise weniger braucht von dem, was man kaufen muss. Wie Strom beispielsweise, Wärme, Gas oder Sprit und da mal rüber nachzudenken, wie das denn geht, macht unheimlich viel Spaß.“

Moderatorin:

„Ja?“

Thorsten Herdan:

„Ja.“

Moderatorin:

„Wie jetzt? Man soll nicht sparen, aber trotzdem energieeffizient sein. Wie geht das zusammen? Ne, pass auf. Es heißt doch eigentlich Licht aus und Heizung aus. Im Sommer jetzt sehr gerne.“

Thorsten Herdan:

„Licht aus und Heizung aus ist vielleicht im Sommer mal sehr hilfreich, wenn es hell draußen ist und auch warm. Dann macht es wenig Sinn, die Heizung anzumachen. Aber ich glaube, der Punkt ist einfach, es geht nicht um Einschränken. Es geht nicht darum, den Leuten zu sagen, lass das Auto stehen, geh lieber zu Fuß, schlepp deine Kiste Bier zu Fuß und buckle dich damit ab. Es geht darum, sich zu fragen, wie kann ich denn mit Intelligenz weniger verbrauchen und daran Spaß haben. Folgendes Beispiel: Ich hab so viele Möglichkeiten in Form von Apps, die mir zeigen, wo ich sinnlos Energie verbrauche, weil ich irgendwelche Geräte im Haushalt habe, die im Standby-Betrieb laufen und die ich gar nicht brauche. Und dann sagt mir eine App, du musst da einen Schalter dazwischen setzen und dann ist das Ding einfach aus. Wenn ich das weiß, stell ich fest, wunderbar, Geld gespart. Dafür gehe ich raus, kauf mir ein Eis und setz mich an den See.“

Moderatorin:

„Oder einen Kasten Bier, aber nur billiges Bier, weil ich schon so viel Geld ausgegeben habe für die teuren, neuen Geräte und die teuren Apps, Herr Herdan. Erst mal muss man Geld ausgeben.“

Thorsten Herdan:

„Das ist ja genau die Frage, was mach ich mit meinem Geld? Lege ich es irgendwo an, wo ich Zinsen dafür bekomme oder investiere ich das in etwas, was mir selbst gehört, wo ich mehr einspare und die Rendite richtig klasse ist. Das ist die Frage, die sich dort stellt und für all diejenigen, die jetzt sagen, jaja, wenn ich Geld hätte, ich habe aber gerade keines. Dann kommen wir vielleicht auch ein bisschen ins Spiel, weil wir mithelfen, solche Investitionen entweder zu fördern oder zu finanzieren für nahezu null Prozent Zinsen. Und das macht doch vielleicht auch ein bisschen Spaß, wenn man Geld vom Staat kriegt, oder?“

Moderatorin:

„Geld irgendwoher kriegen außer von sich selbst macht immer ein bisschen Spaß. Ich guck euch immerzu ins Gesicht – ich darf euch ja jetzt duzen, Sie auch.“

Thorsten Herdan:

„Wir können uns auch duzen.“

Moderatorin:

„Ja? Anni.“

Thorsten Herdan:

„Thorsten“

Moderatorin:

„Angenehm, Thorsten.“

Thorsten Herdan:

„Das sieht jetzt eingeübt aus, das war nicht eingeübt.“

Moderatorin:

„Das war es wirklich nicht. Wirken wir steif? Nein, wir sind ganz locker. Das machen diese Jacken. Ich würde das gerne irgendwie…na gut, anderes Thema. Ich kriege nämlich oft auf dem Prompter eure Fragen drauf. Deshalb kann ich euch so in die Augen schauen. Es gibt nämlich schon Fragen. Wollen wir einfach mal gucken, was die Leute so sagen zu dem, was du so erzählst. Stefanie Kreuzer fragt zum Beispiel: Ich könnte ein paar kurzknackige, originelle und gegebenenfalls aktuelle Energiespartipps für den Sommer gebrauchen. Energiespartipps für den Sommer, umsetzbar für jedermann und egal welches Thema betreffend – Strom, Wasser etc.. Wasser sparen, los!“

Thorsten Herdan:

„Wassersparen, komm, da fangen wir schon wieder an. Wir wollen ja nicht sparen. Ich will nicht den Leuten sagen, schwitzt mal ruhig und stinkt dann, das wäre Käse. Man kann natürlich überlegen, muss es immer heiß sein mit der Dusche? Wenn man aber heiß duschen will, dann soll man auch heiß duschen, aber dann kann ich vielleicht mal rausgucken und mir überlegen, gibt es vielleicht eine Möglichkeit, die Sonne zu nutzen und nicht mit Gas oder Strom heißes Wasser zu machen? Und da gibt es viele Möglichkeiten. Wir haben eine Hotline – da wird euch geholfen, wie es so schön heißt – da können wir euch zeigen, wie man das machen kann. Aber was sicherlich auch ganz interessant ist für den Sommer, mal zu überlegen, wie will ich im Winter heizen. Heizen muss jeder, in seinem Haus, in seiner Wohnung und zahlen muss er auch dafür. Und jetzt mal zu überlegen, lass ich mir jetzt mal vielleicht einen ranholen im Sommer, wo meine Heizung aus ist – zumindest bei so einen Wetter – der sich mal anschaut, wie sie vernünftig im Winter läuft, der hat vielleicht jetzt etwas getan um im Winter sparen zu können.“

Moderatorin:

„Wie, wie sie vernünftig im Winter läuft?“

Thorsten Herdan:

„Naja, wir geben ziemlich viel Geld fürs Heizen aus und die meisten Heizungen sind hoch ineffizient, weil sie beispielsweise falsch eingestellt sind. Gar nicht mal, weil die Heizung alt ist und eine neue rein muss. Das kann man sicherlich auch machen, muss man auch machen zu bestimmten Zeiten, aber das simpelste ist die Einstellung. Das heißt, ich habe es in manchen Räumen viel zu warm, obwohl ich es da gar nicht so warm haben will und wenn ich da mal jemanden hole und das bieten wir an über die Verbraucherzentrale, die dann zum Beispiel schauen, wie geht die Heizung mit den einzelnen Räumen um, ist das denn alles sinnvoll eingestellt – allein durch die Einstellung kann man teilweise 20 bis 30 Prozent sparen. Das macht sich richtig bemerkbar.“

Moderatorin:

„Okay, das finde ich auch interessant. Die Hotline, von der er gerade sprach, die blenden wir nachher auch nochmal ein. Das ist die 0800 0111 5000. Da geht der Herr Herdan dann persönlich dran, stimmt‘s Thorsten?“

Thorsten Herdan:

„Ne.“

Moderatorin:

„Ne, wer ist da dran?“

Thorsten Herdan:

„Da ist ein super Team dran, das gut geschult ist und genau weiß, was wir anbieten als Bundesregierung und auch genau weiß, wo man sich weiter erkundigen kann, wenn man denn wirklich Spaß beim Energiesparen haben will.“

Moderatorin:

„Das mit dem Spaß find ich niedlich, dass Sie das so wichtig finden. Finde ich gut. Wenn es funktioniert?“

Thorsten Herdan:

„Ansonsten sagt Ihr das uns, wenn Ihr keinen Spaß habt und dann versuchen wir das zu erklären, wo es das gibt.“

Moderatorin:

„Ich sag auch trotzdem schon mal die Seite, die Seite auf der man alles finden kann – www.machts-effizient.de – das blenden wir glaube ich später aber auch nochmal ein. Am Ende, damit wir jetzt nicht nerven. Ich sage es auch noch ein paarmal. Die nächste Frage bei BMWiLive stellt Carsten Heidrich: In meiner täglichen Praxis als Effizienzberater – oh, der ist Effizienzberater, vielleicht kennen Sie den ja.“

Thorsten Herdan:

„Noch nicht, aber wir können uns ja kennenlernen.“

Moderatorin:

„Er arbeitet als Effizienzberater und erlebt täglich die Einstellung, dass Energiesparen, Energieeffizienz, Nachhaltigkeit den Menschen völlig egal ist. Echt? Also es wird rumgequakt – sagt er. Wie will das BMWi bzw. die Bundesregierung das Thema Effizienz, Nachhaltigkeit ohne den erhobenen CO2-Umwelt-Zeigefinger besser und verständlicher erklären? Sagen Sie das mal bitte in einfach, möchte er damit sagen.“

Thorsten Herdan:

„Zeigefinger ist sowieso schwierig. Und da sind wir wieder bei dem Spaßthema. Ich glaube, das ist genau der Punkt. Guck mal hier, wir haben hier so ein paar schöne Sachen. Ich weiß nicht, ob das allen Spaß macht. Wir haben auch schon viel gehört davon, dass man etwas nicht darstellen sollte und dass man heutzutage keine Haare mehr unter den Achseln haben dürfe und ähnliches.“

[Thorsten Herdan und die Moderatorin halten Plakatmotive aus der Kampagne „Deutschland macht’s effizient“ in die Kamera.]

Moderatorin:

„Das hat Herr Herdan selbst entworfen.“

Thorsten Herdan:

„Aber es soll erstmal Spaß machen, sich mit dem Thema zu beschäftigen, Spaß machen, sich drüber aufzuregen. Aber die Frage, die hier gestellt wird, ist genau der Punkt. Es macht keinen Spaß, wenn man den Leuten erzählt, du musst dein Verhalten ändern, du musst einsparen, du musst verzichten. Es macht aber Spaß und das wäre die Frage an Herrn Heidrich, wenn wir den Leuten sagen, du sparst wirklich Geld dabei. Und wenn Sie dann überlegen, wie kann ich das machen und wenn Sie dann an der Rechnung sehen, ich habe richtig Geld gespart – dann kann mir keiner sagen, dass es keinen Spaß macht. Aber das wäre vielleicht auch ein Thema, wo wir uns mal unterhalten sollten, warum der Eindruck bei Herr Heindrich so entstanden ist.“

Moderatorin:

„Haben Sie deshalb auch diese Kampagne überlegt, dieses effizient sein statt sparen, weil Sie nämlich die gleiche Erfahrung haben, dass die Leute keinen Bock haben auf Sparen und sich Einschränken?“

Thorsten Herdan:

„Ja klar. Ich meine, wir alle sind doch nicht unterwegs um Energie zu sparen. Wir haben andere Ziele. Wir wollen Urlaub machen, wir wollen arbeiten gehen, wir wollen unser tägliches Leben genießen und da möchte man sich nicht beschäftigen damit, wie man weniger Energie verbraucht, wie man Energie einspart. Wir wollen uns schon beschäftigen damit, wie wir lebenswerter leben, wie vielleicht ein Haus, in das wir reingehen, ganz alleine mit dem Licht, das ich brauche, bestückt ist, mit der Wärme, die ich brauche, bestückt ist. Wenn wir über diese Plakate – die zugegebenerweise sehr provozierend zum Teil sind – überhaupt mal das Nachdenken bewirken, dann haben wir auch die Möglichkeit darüber zu reden und dann wird eine große Anzahl von Menschen nachdenken darüber, wie man denn Spaß daran haben kann. Da bin ich mir sicher.“

Moderatorin:

„Oder man den Begriff sparen nicht mehr so schlimm findet bei Energie. Den nächsten Kommentar, den dürfen Sie vorlesen. Den darfst du vorlesen.“

Thorsten Herdan:

Guys, I love you like hell. That’s fine, I love you too, wherever you are and whoever you are.

Moderatorin:

„Das motiviert doch gleich. Wie fühlen Sie sich? Was glauben Sie, können Sie aus unserem Talkfomat mitnehmen?“

Thorsten Herdan:

„Da bin ich mal gespannt, was ich mitnehmen kann. Ich hoffe viele, die sich hinterher auch melden und Feedback geben. Das ist das, was wir brauchen. Wir sitzen hier im Wirtschaftsministerium – so schön es ist – letztendlich am grünen Tisch und können nur so viel machen, wie wir auch an Input bekommen. Natürlich haben wir auch eigene Ideen aber ich glaube, wir leben nur mit der Bevölkerung zusammen. Deswegen ist so ein BMWiLive-Format ein richtig geiles Format um mal deutlich zu machen, wir sitzen hier nicht alleine, wir wollen mit euch reden, wir brauchen Input. Das würde ich gerne mitnehmen. Das soll nur der Anfang sein und die Zeit heute eine Initialzündung.“

Moderatorin:

„Er hat geil gesagt. Wir fragen weiter. Katja Bauch fragt – Hallo Frau Bauch. Warum sollten wir sparen, es gibt nämlich gar keinen Klimawandel.“

Thorsten Herdan:

„Tja, Frau Bauch, es ist in der Tat schwierig. Als sich die Weltstaatengemeinschaft getroffen hat in Paris vor einem dreiviertel Jahr und klar definiert hat, dass sie das Zweigradziel für die Erwärmung der Erdatmosphäre einhalten wollen und wir jetzt versuchen, das Rad zurückzudrehen. Ich bin da mehr als skeptisch. Ich glaube es ist wichtig, dass wir uns Gedanken machen wie wir die Welt, auch für unsere Kinder und Kindeskinder, lebenswert erhalten und dann kann man glauben – man kann auch nicht glauben, vielleicht muss man dann über Religion reden. Wir sind der Meinung, dass sehr vieles dafür spricht, wenn nicht alles, dass es einen Klimawandel gibt und dass wir den bekämpfen wollen. Ich glaube, da sind wir auf den richtigen Weg, das zu tun.“

Moderatorin:

„Nach uns nicht die Sintflut.“

Thorsten Herdan:

„Das wäre hilfreich.“

Moderatorin:

„Rolf sagt, Moderatorin zu spaßig für so ein ernstes Thema. Ok, interessant. Dann frage ich jetzt mal ganz seriös und ernst. Wie sieht es denn bei Ihnen zuhause aus? Ich sage jetzt doch lieber Sie, damit es nicht zu albern kommt. Obwohl er mir das Du angeboten hat. Herr Herdan, haben Sie ein ganz energiesparsames Haus? Solarzellen auf dem Dach? Mit dem Fahrrad zur Arbeit?“

Thorsten Herdan:

„Wir haben in der Tat Solarthermie auf dem Dach. Das heißt, wir machen schon unser warmes Wasser mit der Sonne und nutzen das auch, um zu heizen. Das kann ich aber nicht für mich verbuchen, dass ich das installiert hätte, sondern das haben wir einfach gekauft mit dem Haus und ich muss ganz klar sagen, wir haben nicht die Entscheidung abhängig gemacht ob da etwas drauf gewesen wäre oder nicht. Aber was wir zuhause haben, ist ein Stück weit das Bewusstsein zu schauen, wo geht Energie sinnlos verloren und wo können wir sie einsparen. Das merkt man an allen Ecken und Enden. Wir tauschen die Beleuchtung aus, nehmen energiesparende Lampen und nicht nur aus dem Grund, weil wir glauben, damit den Klimawandel aufzuhalten, sondern schlicht und ergreifend, weil es am Ende des Tages mehr Geld in die Tasche bringt. Mit dem Fahrrad fahre ich nicht zur Arbeit, das wären dann 45 Kilometer jeden Morgen und das über die Autobahn. Das würde ich jetzt nicht empfehlen. Aber ich habe hier im Wirtschaftsministerium eins stehen und ich könnte immer mit dem Auto durch Berlin fahren, aber das macht überhaupt keinen Spaß – da sind wir wieder bei dem Thema – man steht vor der Ampel, im Stau, es ist stickig drin, es ist warm drin – und da setze ich mich fast immer aufs Fahrrad. Es sei denn es regnet, denn da nehme ich den anderen Weg, dann macht es mit dem Fahrrad wieder keinen Spaß.“

Moderatorin:

„Sie mit Ihrem Spaß, das finde ich gut. Er hat halt einfach Spaß. Sagen Sie mal ganz ehrlich, ist das mit den Energiesparlampen, das Birnenthema, immer noch das schnellste um am ehesten zu greifende Ding, sag ich mal und am leichtesten umzusetzende in Sachen Energieeffizienz?“

Thorsten Herdan:

„Es ist ein Ding, aber es wäre verkehrt, das nur auf Birnen, auf Lampen zu reduzieren. Wir haben beispielsweise aus unserer Förderung genau den Einbau von LED-Lampen herausgenommen, weil sich diese Investition sehr schnell amortisiert. In der Regel haben Sie nach einem halben bis dreiviertel Jahr, einem Jahr spätestens, die Anschaffung der Kosten durch die Energieeinsparung wieder raus und da sind wir der Meinung, das muss man nicht fördern. Es gibt viel mehr was man tun kann, wenn man an das Thema – wir hatten es gerade schon – an das Thema Heizen denkt, an das Thema Verkehr denkt und so weiter. Aber es ist ein wichtiger Punkt, den man auf jeden Fall nicht liegenlassen sollte. Low-hanging fruits heißt das auf Neudeutsch.“

Moderatorin:

„Leicht ranzukommen.“

Thorsten Herdan:

„Genau.“

Moderatorin:

„Lassen Sie uns über Dämmung sprechen. Die Frage davor hatte was mit Dämmung zu tun, die ist jetzt wieder weg. Sehe ich nicht, Entschuldigung. Vielleicht hat Andreas Kühl auch dazu eine Frage. Warum ist die Förderung der – das haben Sie ja gerade gesagt, weil es sich am schnellsten amortisiert. Haben wir gerade beantwortet. Beleuchtung aus der Förderung der Querschnittstechnologien rausgenommen. Gut, das sind Ruckeligkeiten bei einem Liveformat. Aufregung, läuft nicht alles glatt. Da ist wieder die Dämmstofffrage über Twitter. Wieso spielt Dämmung von Gebäuden bei der neuen Effizienzkampagne eigentlich keine Rolle? Wieso spielt die Dämmung von Gebäuden keine Rolle? Spielt denn die Dämmung von Gebäuden da keine Rolle?“

Thorsten Herdan:

„Doch. Die Dämmung von Gebäuden spielt eine große Rolle. Ich glaube, das ist darauf bezogen, dass die ersten Plakate das Thema Dämmung nicht direkt adressiert haben. Viele kennen ja noch die Kampagne mit der Wollmütze und ich glaube Ulrich Wickert war es damals. Die war eingängig, wo die Mütze über ein Haus gezogen wurde und klar wurde, dass wenn ich eben möglichst wenig Wärme aus meinem Haus rauslasse, ich dann nicht ganz schlecht unterwegs bin. Für uns spielt Dämmung auf jeden Fall eine Rolle. Ich würde es anders ausdrücken. Für uns spielt der sogenannte bauliche Wärmeschutz eine Rolle. Das soll heißen, dass ich kein japanisches Teehaus baue, wo ich Pappwände habe, sondern dass ich ein Haus baue, was eine ordentliche Dämmeigenschaft hat und die Wärme, die ich drin erzeuge, nicht sinnlos rausgelassen wird. Also, es spielt eine sehr große Rolle in der Kampagne, in der Förderung, auch in unserer Kommunikation.“

Moderatorin:

„Immer für die Leute, die bauen. Was ist eigentlich mit den Leuten, die schon ein Haus haben?“

Thorsten Herdan:

„Leute, die schon ein Haus haben, haben auch Möglichkeiten, an ihrer Gebäudehülle was zu machen, aber die sind natürlich eingeschränkter – gar keine Frage. Das heißt, wenn ich mein Haus komplett anpacke und eine Dämmschicht aufbringe, dann kostet das viel Geld, dann muss man sich genau anschauen, ob sich das rechnet am Ende des Tages oder ob man in andere Maßnahmen investiert. Von daher wäre es falsch zu sagen, jeder muss sein Haus dämmen, in jedem gebrauchten Haus muss eine Dämmung draufgestellt werden – das ist möglicherweise dann auch zu viel des Guten.“

Moderatorin:

„Ok, so weit erstmal. Wir lassen die User nochmal mitreden. Herr Müller fragt: Welche Chancen bietet die Digitalisierung für die Verbraucher in Bezug auf Effizienz?“

Thorsten Herdan:

„Das ist eine sehr gute Frage. Die anderen sind auch gut, um mich nicht misszuverstehen. Aber das ist eine besonders gute Frage, weil es den Kern dessen adressiert, was wir in der Zukunft sehen werden. Die Digitalisierung – ich würde das mal so formulieren. Menschen, die mit Daten etwas machen und zwar folgendes machen: Sie nehmen diese Daten, werten sie aus, wissen, was andere Menschen wollen und erfüllen denen die Wünsche, von denen sie noch gar nicht wussten, dass sie sie haben. Es ist ein Stück weit Digitalisierung, also ich sammle Daten ein und kann entsprechende Lösungen für Wünsche anbieten, ohne dass ich selbst schon wusste, ich hab diesen Wunsch. Da spielt Digitalisierung bei der Effizienz eine riesige Rolle, weil ich nicht nur eine App habe, sondern ich kann Möglichkeiten anbieten, wie ich sehr schnell feststelle, wo verbrauche ich Energie, wieviel verbrauche ich, was kostet mich diese Energie. Wenn ich meinen Kühlschrank vielleicht demnächst angucke, dann sagt der mir, dass er heute 3,50 Euro gekostet hat, weil die Tür offen gestanden hat oder weil das Eisfach nicht abgetaut wird und so weiter. Hier ist über Digitalisierung unheimlich viel möglich, dem Menschen und uns allen bewusst zu machen, wo geht etwas und wo geht etwas nicht. Digitalisierung ist ein Schlagwort, Kernwort für Energieeffizienz.“

Moderatorin:

„Also eine große Rolle wird es spielen und spielt es ja jetzt auch schon. Es gibt ja total viel – mit teuren, neuen, schicken Geräten aber.“

Thorsten Herdan:

„Ja, aber es ist langsamer geworden.“

Moderatorin:

„Rominica Kopiza – ich hoffe, dass es wenigstens ansatzweise richtig ausgesprochen ist – fragt: Energieeffizienz wird für uns als Verbraucher immer wichtiger, gibt es aktuelle Entwicklungen dazu, auch verstärkt in den Schulen den Kindern und Jugendlichen spielerisch in Form von Workshops, Projekten etc. den richtigen Umgang mit Energie zu vermitteln? Grüße aus Bad Abbach. Grüße aus Berlin zurück.“

Thorsten Herdan:

„Ja, Grüße aus Berlin zurück und die Fragen werden immer besser. Wenn es uns gelingt, das Mindset so umzudrehen, dass unsere Kinder aus der Schule kommen und uns Eltern erzählen, was wir falsch machen, dann haben wir das Mindset so umgedreht, wie wir das haben wollen.“

Moderatorin:

„Ich glaube, das ist ganz oft schon so.“

Thorsten Herdan:

„Das ist zum Teil so, aber ich glaube, das müssen wir in der Tat erziehen. Das heißt, für uns ist es auch sehr wichtig, mit der Kampagne in Schulen zu gehen, mit Kindergärten sogar schon angefangen zu erklären, was wir damit meinen, wieso ist da ein Astronaut abgebildet, was soll das eigentlich alles? Wieso liegen da drei Menschen im Bett? Und zu erklären, was man machen kann. Das muss also von Anfang an in der Jugend aufgesaugt werden, im wahrsten Sinne des Wortes, in die Gene übergehen und dafür soll so eine Kampagne dienen. Also ja, wir machen da sehr viel Workshops in Schulen und werden das noch massiv ausbauen.“

Moderatorin:

„Ok, da bin ich mal gespannt. Kann man denn schon sagen wann?“

Thorsten Herdan:

„Ab jetzt.“

Moderatorin:

„Ab jetzt sofort. Das funktioniert hier mit unserem Liveformat super gut. Also ihr könnt hier weiterhin liken, mitmachen und in erster Linie Fragen stellen. Stellt Herrn Herdan Fragen. Worüber sollten wir noch reden? Zum Thema Sanieren zum Beispiel. Das interessiert total viele Leute. Was kann ich da am besten machen? Als Mieter einer Wohnung, das bin ich. Hab ich da Chancen?“

Thorsten Herdan:

„Als Mieter einer Wohnung saniere ich ja erstmal nicht, weil ich miete die Wohnung. Ich kann in dem Fall natürlich mit meinem Vermieter reden und ihn darauf aufmerksam machen, dass mein Energieverbrauch zu hoch ist, ob er nicht Interesse daran hat, die Wohnung zu sanieren, das Haus zu sanieren. Dann wird er möglicherweise sagen, das juckt mich nicht die Bohne, weil du sparst ja ein und ich muss das Geld ausgeben. Die Frage ist, welches Geschäftsmodell man dort findet, dass der Mieter, der die Investitionen letztendlich zu tragen hat, diese dann auch zurückbekommt und gleichzeitig der Vermieter etwas vom Energiesparen. Aber ich glaube, beim Mieter ist es in der Tat etwas schwieriger. Wir bieten aber für die Vermieter ganz gezielt Programme an. Entweder Kreditfinanzierung, dass der Vermieter sich einen Kredit aus nahezu null Prozent aufnehmen kann, einen Teil dieses Kredits gar nicht zurückzahlen muss und dann letztendlich dem Vermieter die Ersparnisse damit weitergibt in Form von weniger Energieverbrauch. Wenn ich mein eigenes Haus habe, dann kann ich das genauso nutzen als Privat-Häuslebesitzer und entweder Zuschüsse beantragen oder entsprechende Kreditvolumina bekommen. Aber ganz wichtig am Anfang ist die Energieberatung und da haben wir ein breites Portfolio über die Verbraucherzentralen bis spezifischer Vor-Ort-Beratung. Wir fördern, wo sich die Menschen die Berater ins Haus holen lassen können, die nicht darauf aus sind, etwas zu verkaufen – ganz wichtig – sondern die darauf aus sind, eine Beratung zu geben, mit der ich etwas anfangen kann, mit der ich letztendlich Maßnahmen umsetzen kann.“

Moderatorin:

„Es gibt die 0800 0111 5000 – das ist die Hotline von uns. Die blenden wir nachher nochmal ein. Und dann kommt jemand von Herrn Herdans Kollegen persönlich vorbei. Oder Sie selber vielleicht.“

Thorsten Herdan:

„Persönlich kommt auf jeden Fall jemand vorbei. Ich bin da nicht gut genug für.“

Moderatorin:

„Sie sind gut im Talkformat und in kreativen Kampagnen und in sehr viel mehr. Es gibt zwei neue Fragen. Besteht nach wie vor die Zuversicht, dass mit den jetzigen Maßnahmen beide Ziele – also die Niedrigstenergiegebäude bis 2021 und klimaneutraler Gebäudebestand bis 2050 - erreicht werden können und warum? Haben Sie die Frage verstanden?“

Thorsten Herdan:

„Ja. Vielleicht ist es für die Facebookgemeinde wichtig zu wissen, wir sind nach EU-Recht und nach eigenem Recht dazu aufgefordert, ein sogenanntes Niedrigstenergiegebäude zu definieren, was dann ab 2021 verpflichtend ist für jeden, der neue Gebäude bauen will. Daran arbeiten wir gerade. Wir nennen das Ganze – das kommt jetzt zum ersten Mal – Gebäudeenergiegesetz. Das ist noch gar nicht öffentlich, jetzt schon. Und in diesem Gebäudeenergiegesetz wollen wir genau dieses Niedrigstenergiegebäude und den Standard dafür festlegen. Das heißt, wir werden sicherlich überlegen müssen, wie kann man auf dem Weg zu einem klimaneutralen Gebäudebestand dort weiter vorangehen. Der klimaneutrale Gebäudebestand wieder, der in der Frage vorkam, hat was damit zu tun, dass wir gesagt haben, wir möchten im Jahr 2050, dass der gesamte Gebäudebestand klimaneutral ist, also genauso viel CO2 verbraucht wie er produziert. Das ist noch ein extrem weiter Weg und dafür haben wir eine Effizienzstrategie Gebäude entworfen und dafür werden wir jetzt in Kürze mit einem Grünbuch Energieeffizienz rauskommen. Das ist nichts anderes, wie ein großer Fragenkatalog um mit allen draußen zu diskutieren, welche Maßnahmen müssen wir machen, um diesen Zustand zu erreichen.“

Moderatorin:

„Genau und die Frage war, glauben Sie, dass es geschafft werden kann von Ihnen?“

Thorsten Herdan:

„Natürlich, sonst würden wir ja nicht hier sitzen und hier arbeiten. Nicht nur der Glaube stirbt zuletzt, sondern diejenigen, die hier sitzen arbeiten daran, dass sie das umsetzen, was sie sich als Ziel gesetzt haben.“

Moderatorin:

„Stellt Sie diese Antwort zufrieden? Sonst schreiben Sie gerne noch einmal jetzt gleich. Sagen Sie es bitte konkreter oder auch nicht. Vielleicht war es ja gut. Nächste Frage: Wie unterstützt das BMWi das Ziel, künftige Förderungen im Neubau von energetischen Standards abhängig zu machen?“

Thorsten Herdan:

„Das machen wir jetzt schon. Wir haben – was ich eben erklärt habe – einen Standard für den Neubau, den man erfüllen muss, wenn man ein Haus bauen möchte. Das heißt, Sie dürfen nur bestimmte Häuser bauen, die einen bestimmten energetischen Standard haben. Und wir fördern darüber hinaus etwas, was diesen Standard überschreitet. Das heißt, wenn Sie besser sind als das beim Neubau, dann kriegen Sie auch noch eine Förderung dazu. Wenn Sie in den Bestand reingehen, also wenn ich in meinem eigenen Haus wohne, dann muss ich nicht so viel erfüllen, wie der Neubaustandard ist, weil ich mit den älteren Gebäuden in der Regel dort einfach nicht hinkomme. Aber die sind gekoppelt aneinander und das geht über das sogenannte KfW-Haus. Ich möchte es nicht zu kompliziert machen, aber wir haben da Standards gesetzt von 100 bis 70 und 50 und die kann man miteinander vergleichen und deshalb ist dort die Förderung im Bestand gekoppelt an das, was ein Neubau leisten muss. War das verständlich? Wahrscheinlich nicht, dann muss man das in Ruhe nochmal diskutieren.“

Moderatorin:

„So halb. Man müsste da nochmal nachlesen. Vielleicht auf www.machts-effizient.de. Ja? Kriegt man da eine Verlinkung? Kann man sich da dazu einlesen?“

Thorsten Herdan:

„Definitiv, ja. Da gibt es die Links zur KfW, zu all denjenigen, die bestens Bescheid wissen und das im Detail wiedergeben können.“

Moderatorin:

„Macht’s Ihnen noch Spaß?“

Thorsten Herdan:

„Immer.“

Moderatorin:

„Ich weiß gar nicht, wie lange wir jetzt schon laufen. Es ist egal, da kommt eine nächste Frage. Oh, wir sind schon am Ende, kriege ich gerade den Hinweis. Sind Sie traurig darüber? Es ging schnell. Wir könnten noch ein bisschen weitermachen, oder? Machen wir beim nächsten Mal weiter, da können Sie aber lieber zugucken, da habe ich nämlich Frau Zypries hier und da geht es um das Thema Gründung. Die nächste BMWiLive-Talkshow, die produzieren wir oder die hauen wir raus am 29.6, da sind wir wieder da. Ich würde das jetzt liken. Ich würde diesen Input, den wir gekriegt haben, liken. Hat mir Spaß gemacht mit euch.“

Thorsten Herdan:

„Fand ich auch.“

Moderatorin:

„Ihr könnt das auch immer noch im Nachhinein liken. Wir stellen das rein auf die Seite – auf Twitter kann man es gucken, auf Facebook – das könnt Ihr auch im Nachhinein noch angucken, noch teilen und auch gerne auch kommentieren, wie Ihr es gefunden habt. Wir wollen auch wissen, wie ist es am effektivsten, wie bringt es euch am meisten, dann können wir das vielleicht beim nächsten Mal gleich umsetzen. Und das danach und danach und danach. Wir haben viel vor. Und ansonsten noch einmal die Hotline 0800 0111 5000. Ich übe noch – es ist mein erstes Mal heute. Und ansonsten die Seite www.machts-effizient.de. Da könnt Ihr alles selbst noch einmal nachlesen und gern kommentieren.“

Thorsten Herdan:

„Auf jeden Fall. Input ist gut, Input ist wichtig, wir brauchen euch.“

Moderatorin:

„Austausch. So, tschüss.“

Thorsten Herdan:

„Tschüss. Bis bald.“

[Die Rufnummer 0800 – 0115 000 und die Webadresse www.machts-effizient.de werden eingeblendet.]