Luftaufnahme von Solarpanels im Hunsrück

Die Dörfer Neuerkirch und Külz im Hunsrück haben sich zu einem Wärmenetz zusammengeschlossen und setzen auf erneuerbare Energien aus Sonne und Biomasse

© VG-Werke Simmern

Die kleinen Dörfer Neuerkirch und Külz im Hunsrück bringen die Energiewende vor Ort bei der Wärme voran: sie ersetzen erfolgreich klimaschädliches Erdöl durch 100 Prozent erneuerbare Energien aus Sonne und Biomasse. Die Initiative dazu ging von Ökogruppen und vom Gemeinderat der benachbarten Dörfer aus. 140 Haushalte, ein Gemeindehaus sowie drei Gewerbebetriebe sind seit August 2016 an das neue effiziente Wärmenetz mit einer Jahresleistung von circa 4 Millionen kWh/a angeschlossen.

Dadurch konnten in allen Gebäuden die bis zu 30 Jahre alten Ölheizungen ersetzt und jedes Jahr 400.000 Liter Öl und 1.200 Tonnen des klimaschädlichen Treibhausgases CO2 eingespart werden. Die Sonne liefert 20 Prozent der benötigten Wärme, die beiden Hackschnitzelkessel circa 80 Prozent. Der Anschluss an die Zukunft ist gelungen: Mit dem Wärmenetz ließ die Gemeinde zugleich Glasfaserkabel verlegen, so kommt mit der Energiewende auch enorm schnelles Internet auf das Land.

„Ohne das Förderprogramm gäbe es unser Wärmenetz nicht“

Betrieben wird das Wärmenetz vom kommunalen Eigenbetrieb Energieversorgung Region Simmern (ERS) der Verbandsgemeinde Simmern, zu der die Dörfer gehören. Die Finanzierung ermöglichten zinsgünstige Kredite mit Tilgungszuschüssen, die für das BMWi durch das Förderprogramm „Erneuerbare Energien – Premium (271)“ der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) ausgegeben werden. Es wird aus dem Marktanreizprogramm (MAP) des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) finanziert. Die Gesamtinvestition betrug circa fünf Millionen Euro. Für die sechs Kilometer lange Wärmenetztrasse und die Hausanschlüsse bekam das kommunale Unternehmen einen Tilgungszuschuss von 610.800 Euro, der nicht zurückgezahlt werden muss.

Außerdem vergab die KfW für die Hackschnitzelkessel einen Tilgungszuschuss von 30.000 Euro und für die Solarthermieanlage einen Tilgungszuschuss von 434.000 Euro sowie für die zwei Pufferspeicher einen Tilgungszuschuss von 30.000 Euro. „Ohne das Förderprogramm des BMWi mit den attraktiven Tilgungszuschüssen gäbe es unser Wärmenetz nicht“, sagt Leif Lorscheider, Werkleiter des kommunalen Energiebetriebs. Das Land Rheinland-Pfalz hat darüber hinaus das Gesamtprojekt ebenfalls finanziell gefördert.

Ländliche Region mit Wärme aus 100 Prozent erneuerbarer Energie versorgt

„Mit dem Wärmenetz bieten wir in unserer ländlichen Region eine effiziente Wärmeinfrastruktur mit 100 Prozent erneuerbaren Energien. Das ist ein enormer Standortvorteil für die Kommune und die Bürger“, erklärt Lorscheider. Die ERS betreibt noch zwei weitere Wärmenetze: eines in der Innenstadt Simmern, an das 22 kommunale Gebäude und das Schwimmbad angeschlossen sind und das mit dem KfW-Programm „IKK – energetische Stadtsanierung – Quartiersversorgung (201)“ gefördert wurde sowie eines in der Gemeinde Fronhofen mit 37 Anschlüssen, das auch vom KfW-Programm „Erneuerbare Energien Premium (271)“ gefördert wurde.

Fakten zum Projekt

  • Energieeffizienzmaßnahmen:
    Umstieg von Ölheizungsanlagen auf ein Wärmenetz mit 100 Prozent erneuerbaren Energien und 144 angeschlossenen Gebäuden
  • Investition:
    Gesamtinvestition für Projekt: circa 5 Millionen. Davon Investition in die 6 Kilometer lange Trasse des Wärmenetzes: 1,6 Millionen Euro
  • Förderung:
    Gesamtprojektförderung durch das KfW-Förderprogramm „Erneuerbare Energien – Premium (271)“: Kredite mit Tilgungszuschüssen in Höhe von insgesamt 1.104.800 Euro sowie eine finanzielle Förderung des Landes Rheinland-Pfalz. Anteilig für Trasse: Tilgungszuschuss von 610.800 Euro sowie ein weiterer Zuschuss des Landes Rheinland-Pfalz.