Die Vereinshalle im bayrischen Marktoberdorf bezieht Wärme aus erneuerbarer Energie

Saubere Wärme für das Vereinsleben und das Klima

© BMWi/Pascal Rohé

Wenn sich die Musikkapelle, der Trachten-, Schützen- oder Sportverein an verschiedenen Abenden der Woche in der Vereinshalle ihrer Gemeinde Sulzschneid im Allgäuer Alpenvorland versammeln, verbinden sich Tradition und Moderne nun auf angenehme Weise. Seit die 40 Jahre alte Vereinshalle energetisch komplett saniert und gut gedämmt wurde, können alle Vereine bayerisches Brauchtum und ihre Interessen pflegen und dabei das Klima ihrer Heimat schützen: Wo zuvor eine altersschwache Ölheizung anno 1978 mit enorm hohem Verbrauch von 5000 Litern Heizöl im Jahr klimaschädliche Treibhausgase in die Atmosphäre blies, liefert jetzt eine mit Biomasse und Solarthermie betriebene effiziente Heizungsanlage saubere Energie.

„Wir wollen beim Klimaschutz ein Vorbild geben“

Die sanierungsbedürftige Mehrzweckhalle in dem 600 Einwohner zählenden Ort war ein Fall, wie ihn viele Kommunen kennen: Eine Prüfung hatte ergeben, dass das Dach bei hohen Schneemassen nicht sicher wäre. „Für uns war klar, wenn wir sanieren, dann nur mit einem energetischen Gesamtkonzept. Getreu unserer weg-vom-Öl-Devise sind wir bei dieser Gelegenheit auf Wärme aus sauberer erneuerbarer Energie umgestiegen. Wir wollen beim Klimaschutz ein Vorbild für unsere Bürger geben“, erklärt Dr. Wolfgang Hell, Bürgermeister von Marktoberdorf, zu dem Sulzschneid gehört. Seit 2012 setzt die Kommune ein eigenes Energie- und Klimaschutzkonzept mit ehrgeizigen Zielen um und bringt so die Energiewende bei Strom und Wärme vor Ort voran.

Solarmodule liefern bis zu 40 Prozent der Wärme

Seit Mai 2017 liefern Solarmodule auf dem gen Süden gerichteten, neuen und gut gedämmten Hallendach 30 bis 40 Prozent der benötigten Heizenergie und mittels Pufferspeicher die gesamte Warmwasserversorgung. Ein Pelletkessel sorgt für die restliche saubere Wärmeenergie. Der Pufferspeicher ermöglicht zudem ein gezieltes Vorheizen der tagsüber ungenutzten und im Winter stark ausgekühlten Vereinshalle, sodass sie abends, wenn die Vereine kommen, eine konstant angenehme Temperatur bietet.

Zur Finanzierung der effizienten Heizungsanlage mit erneuerbaren Energien nutzte die Gemeinde Zuschüsse aus dem Marktanreizprogramm für Wärme aus erneuerbaren Energien (MAP) des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) in Höhe von insgesamt 6.800 Euro sowie den Zusatzbonus aus dem Anreizprogramm Energieeffizienz (APEE) in Höhe von 960 Euro. Er wird für das Ersetzen besonders ineffizienter alter Heizungsanlagen gezahlt. Beide Programme werden vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) finanziert.

Dank Energieeffizienz endlich die Betriebskosten im Griff

Die erste Betriebskostenjahresabrechnung liegt zwar noch nicht vor, aber dieses Mal freut sich die Gemeinde darauf: „Durch den spürbar gesenkten Energiebedarf kriegen wir nun unsere hohen Betriebskosten in den Griff. Für uns ist es in jeder Hinsicht eine prima Zukunftsinvestition“, so Gebäude- und Energiemanager Richard Siegert.

Fakten zum Projekt

  • Energieeffizienzmaßnahmen:
    Umstieg von Ölheizung auf Wärme aus erneuerbaren Energien im Zuge energetischer Komplettsanierung mit Dämmung von Dach, Fassade, Wänden und energieeffizienten Fenstern mit Dreifachverglasung
  • Investition:
    59.484 Euro für neue Heizungsanlage mit kombinierter Solarthermie und Biomasse sowie Pufferspeicher
  • Förderung:
    6.800 Euro Zuschuss aus dem Marktanreizprogramm (MAP) sowie 960 Euro Zusatzbonus aus dem Anreizprogramm Energieeffizienz (APEE)