Luftaufnahme Jacobs Douwe Egberts DE GmbH

© Bavaria Luftbild Verlags GmbH - JACOBS Douwe Egberts DE GmbH (JDE)

Laut einer vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) beauftragten Studie1 stehen pro Jahr theoretisch 226 TWh pro Jahr potenziell nutzbare Abwärme aus Industrieprozessen in Deutschland zur Verfügung. Mit dieser Energiemenge könnten knapp die Hälfte der Gebäude in Deutschlang beheizt werden, wenn es gelingen würde, diese praktisch nutzbar zu machen. Zur Hebung dieses Potentials ist vor allem das Temperaturniveau ausschlaggebend, auf dem die Abwärme zur Verfügung steht. Zusätzlich müssen potenzielle Abnehmer der Wärme in geeigneter Entfernung vorhanden sein, um eine Abwärmenutzung technisch und vor allem wirtschaftlich realisieren zu können.

Situation vor Ort

In der Kaffeerösterei der Traditionsmarke JACOBS am Standort Berlin-Neukölln werden jährlich bis ca. 82.000 Tonnen Kaffee mit dem „Verwöhnaroma“ hergestellt. Dabei wird den Rohkaffeebohnen in einem ersten Verarbeitungsschritt, dem sog. Röstvorgang, das enthaltene Wasser entzogen und somit die kaffeetypischen Aromen hervorgerufen. Die Röstung erfolgt in den Röstbehältern mittels Heißluft bei Temperaturen von ca. 300 C. Nach dem Röstvorgang wird die Heißluft mittels Heißgasventilatoren durch Abgasleitungen über das Dach an die Umgebung abgeleitet. Eine Nutzung der in der heißen Prozessluft enthaltenden Abwärme erfolgte aufgrund mangelnder Verwendungsmöglichkeiten bisher nicht.

Das Energieeffizienzprojekt

In einem durch die Bundesförderung für Energieeffizienz in der Wirtschaft – Förderwettbewerb vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie geförderten Projekt soll nun die bisher ungenutzte Abwärme von insgesamt neun Kaffeeröstern mit Hilfe von Wärmetauschern auf einen Heißwasserkreis übertragen werden, der diese dann wiederum in das Fernwärmenetz Berlin-Neukölln auskoppelt. Durch die Maßnahmenumsetzung können so bis zu 6.000 Wohnungen in direkter Umgebung zur Rösterei mit Wärme versorgt und zugleich fossile Brennstoffe für konventionelle Fernwärmeerzeugung ersetzt werden. Ein klarer Wettbewerbsvorteil für JDE, so Geschäftsführer Andreas Zeitlhofer: „Durch die Förderung können wir nicht nur die Amortisationszeit der Effizienzmaßnahme mehr als halbieren, sondern bauen auch unsere Nachhaltigkeit weiter aus.“.

Das Projekt wird im Zeitraum zwischen September 2019 und Dezember 2020 umgesetzt. Durch die Nutzung der Abwärme können jährlich 18.500 MWh an konventionell bereitgestellter Fernwärme ersetzt und somit ca. 3.150 t CO2 eingespart werden. Ohne Förderung würde sich die Effizienzmaßnahme erst nach mehr als ca. 16 Jahren amortisieren, mit der im Förderwettbewerb bewilligten Förderung jedoch schon nach weniger als acht Jahren.

Projektdaten

Laufzeit: 01.09.2019 bis 31.12.2020

Nutzungsdauer: 10 Jahre (damit ≥ 3 Jahre)

Energiekostenbezogene Amortisationszeit (ohne Förderung): 15,6 Jahre
Energiekostenbezogene Amortisationszeit (mit Förderung): 7,8 Jahre

CO2-Einsparung: 3.150 t CO2


1 IZES (Institut für Zukunfts-Energie-Systeme, Abwärmenutzung – Potentiale, Hemmnisse und Umsetzungsvorschläge, 11.14 – 07.15)