Gabriele Poth, Leiterin der Abteilung Umwelt und Energie bei der Handwerkskammer Düsseldorf und Moderatorin des Netzwerks im Handwerk

„Zusammen ergibt es einen Leuchtturm“ – Handwerksbetriebe drosseln Energieverbrauch

© Handwerkskammer Düsseldorf

Der Funke springt sofort über, als die Mitinhaberin einer Goldschmiede in Essen von der Idee hört, sich mit weiteren Unternehmerfrauen im Handwerk zu einem Energieeffizienz-Netzwerk zusammenzuschließen: „Die Männer trauen sich offenbar nicht, denn es gibt noch keines im Handwerk. Also machen wir es“, erklärt Goldschmiedin Waltraud Schöne. Gesagt, getan. Im Februar 2016 schlossen sich neun Essener Betriebe für die Laufzeit von zwei Jahren zum bundesweit ersten Energieeffizienz-Netzwerk im Handwerk zusammen. Die Initiative Energieeffizienz-Netzwerke ist Teil des Nationalen Aktionsplans Energieeffizienz (NAPE) der Bundesregierung und ein Aktionsbündnis von mehr als 20 Wirtschaftsverbänden sowie dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) und dem Bundesumweltministerium (BMU).

An der Schraube für Energiekosten drehen

Die gelernte Goldschmiedin Schöne konnte im Handumdrehen acht weitere Unternehmerfrauen für die Netzwerkidee begeistern: darunter drei Elektro- und zwei Malerbetriebe, die Goldschmiede, zwei Dachdeckerbetriebe und eine Unternehmensberaterin. Alle – anders als etwa Bäckereien oder Fleischereien – nicht besonders energieintensiv. Und dennoch: „Die kontinuierlich steigenden Energierechnungen waren in unsrer Goldschmiede massiv. An der Schraube für Energiekosten wollte ich gern mal drehen“, beschreibt Mitinhaberin Schöne ihre Motivation. Ihre Stromkosten hatten sich in den vergangenen zehn Jahren um mehr als 50 Prozent erhöht und lagen zuletzt bei knapp 5.000 Euro im Jahr.

Energieeffizienz beginnt mit Beratung

Damit der Funke für das Netzwerk zünden konnte, hat Gabriele Poth, Leiterin der Abteilung Umwelt und Energie bei der Handwerkskammer Düsseldorf, im Vorfeld Hindernisse aus dem Weg geräumt. „Für Handwerksbetriebe ist es anders als für Industrieunternehmen entscheidend, dass durch das Netzwerk keine Kosten anfallen. Zumal sie ohne eine Energieberatung die vielen Möglichkeiten Energie zu sparen, noch gar nicht im Blick haben können“, so die Initiatorin und Moderatorin des Effizienz Netzwerks der Essener Unternehmerfrauen. Poth konnte den Ökostromanbieter Energiegenossenschaft Rhein-Ruhr dafür gewinnen, die fachliche Energieberatung des Effizienz-Netzwerks kostenfrei zu übernehmen. Die Fachreferenten für Workshops zu Energieeffizienz-Themen organisierte die Netzwerk-Moderatorin über die Handwerkskammer.

„Jeder Betrieb – auch wenn er nicht energieintensiv ist – kann Energie sparen. Zusammen ergibt es dann auch einen Leuchtturm“, davon ist Moderatorin Poth überzeugt Insgesamt beschäftigen die neun inhabergeführten Betriebe im Netzwerk immerhin 100 Mitarbeiter und 20 Azubis – und haben in den vergangenen eineinhalb Jahren den sportlichen Ehrgeiz entwickelt ihren Energieverbrauch nachhaltig zu drosseln.

Energieeffizienz als sportlicher Ehrgeiz

Das Netzwerk hat sich das gemeinsame Ziel gesetzt, in zwei Jahren insgesamt 13.500 Kilowattstunden Energie und rund 5 Tonnen des klimaschädlichen Treibhausgases CO2 einzusparen, so die Selbstverpflichtung aller neun Betriebe. Diese Einsparung entspricht dem CO2-Ausstoß von circa 700.000 Fahrtkilometern eines Mittelklassewagens. Ohne Effizienzmaßnahmen summierte sich bei den neun Betrieben bislang der Ausstoß des klimaschädlichen Treibhausgases CO2 auf insgesamt 164 Tonnen pro Jahr. Jeder Handwerksbetrieb könne bereits durch einfache Effizienz-Maßnahmen bis zu zehn Prozent seiner Energiekosten reduzieren, weiß Energieberater Wegener aus Erfahrung.

Goldschmiedin Waltraud Schöne bestätigt: „Wenn man erst einmal angefangen hat, mit Energie effizient umzugehen, wird es fast zur Sucht. Wir merken jetzt, was wir im Handwerk beitragen können, um das Klima zu schützen und diesen Gedanken weiter zu pflanzen.“

Wärmekameras bringen Energieverluste ans Licht

Zu Beginn der Netzwerksarbeit analysierten Energieberater Jörg Wegener von der Energiegenossenschaft Rhein-Ruhr und Peter Scharfenberg, Fachreferent für Klimaschutz und Energiemanagement der Handwerkskammer, bei neun Betriebsbegehungen die jeweiligen Quellen für Energieverschwendung. Sie identifizierten die Einsparpotenziale jedes Betriebs und machten Vorschläge, mit welchen Maßnahmen jeder Betrieb welche Einsparung erreichen könnte. Diese präsentierten sie beim ersten Netzwerktreffen vor allen Unternehmerinnen. Die Beleuchtung etwa war in jedem Betrieb ein Thema.

Seit Herbst 2016 setzen die Unternehmerinnen Schritt für Schritt Effizienz-Maßnahmen um. Stromfressende Neonröhren sind inzwischen durch effiziente LED Leuchten ersetzt worden. Die Kosten für die werden die Betriebe im Durchschnitt in wohl zwei Jahren durch geringere Stromrechnungen wieder reinholen. Stromfressender Standby-Betrieb von Geräten gehört ebenso der Vergangenheit an wie Wärmeverluste in Werkstätten, Lagerhallen und Ladengeschäften. Diese wurden von den Energieberatern durch Wärmekameras ermittelt und mittels Abdichtungen beseitigt. Dadurch konnte in Schönes Goldschmiede nebenbei auch das Raumklima verbessert werden, erzählt sie erfreut.

Für den Pioniergeist, das erste Effizienz-Netzwerk im Handwerk zu gründen, wurden die Essener Unternehmerfrauen 2016 auf der ersten Jahrestagung der Initiative Energieeffizienz-Netzwerke durch das BMWi und das Bundesumweltministerium mit einer Urkunde ausgezeichnet.

Fakten zum Projekt

  • Effizienzmaßnahmen:
    u.a. LED-Leuchten, Dämmung und Abdichtungen gegen Wärmeverluste, kein Standby-Betrieb bei Maschinen und Geräten, teils Photovoltaikanlage zur Stromversorgung und bei allen Änderung Nutzungsverhalten
  • Energieeinsparung:
    13.500 kWh Energie und rund 5 Tonnen CO2 in allen 9 Betrieben während 2 Jahren Laufzeit