Werner Kaiser und Sabine Hummel im Gespräch vor Heizungsanlage

In einem Einfamilienhaus aus den 1960er-Jahren finden sich in der Regel viele Einsparpotenziale

© BMWi/Pascal Rohé

Das Haus liegt am Hang, mit weitem Blick auf den Höhenzug, von dem die Triberger Wasserfälle bis zum Ortsrand heruntersprudeln. Vom Parkplatz aus wirft Energieberater Werner Kaiser einen ersten Blick auf das Haus: Satteldach, Südausrichtung – beste Voraussetzungen für Solarenergie. Drinnen, am Wohnzimmertisch der Familie, fragt er, welche Sanierungsmaßnahmen schon geplant sind.

Am dringendsten, sagt Sabine Hummel, seien neue Fenster, die Dämmung der Haustür und eine neue Heizung. Sie selbst könne sich eine Gas-Brennwertheizung gut vorstellen, ihre Tochter, die Architektur studiert, sei eher für eine Pelletheizung. „Sie sagt, zurzeit gebe es nichts Besseres.“ „Holz ist ein lokales Produkt mit kurzen Transportwegen“, bestätigt Kaiser. Er schaut mit ihr die Baupläne des Hauses an und fragt, ob Solarthermie infrage kommt, „das ist ein super Sonnenhang.“

Dann zeigt ihr der Energieberater, wie der individuell ausgearbeitete Sanierungsfahrplan aussieht, den er für das Haus erstellen wird: Der Energieberater wird den Istzustand dokumentieren und drei Sanierungsvarianten vorschlagen. Für alle Varianten wird er aufzeigen, welche Energieeinsparung durch einzelne Sanierungsschritte erreicht werden können. Danach gehen die beiden auf der Suche nach weiteren Schwachstellen durchs Haus.

Wärmeverluste aufspüren

Die meisten Fenster, erklärt Sabine Hummel, seien so alt wie das Haus, das 1966 gebaut wurde. Durchschnittlich 4.000 Liter Öl werden im Jahr verbraucht, aber im Wohnzimmer wird es nicht warm, obwohl zusätzlich mit einem Holzofen geheizt wird. Es zieht, und unter der Fensterbank breitet sich Schimmel aus. Eine typische „Wärmebrücke“: „So wie die Fensterbank montiert ist, leitet sie mehr Wärme nach außen als die Bauteile daneben, also kann dort Luftfeuchtigkeit kondensieren, und es bilden sich Stockflecken und Schimmel“, erklärt der Fachmann.

Von Stockwerk zu Stockwerk begutachtet der Energieberater die derzeitige Situation und gibt Ratschläge: Eine Dämmung der obersten Geschossdecke lohne sich immer, wenn kein Dachausbau geplant ist. Eine Prüfung der Dachziegel durch einen Fachbetrieb könne klären, ob und wie eine Solaranlage installiert werden könnte. Über die Glasbausteine am Hauseingang gehe viel Wärme verloren.

Heizungsoptimierung lohnt sich

Im Heizungskeller empfiehlt Kaiser, ein Raumkonzept von einem Heizungsunternehmen erstellen zu lassen. Es sei möglich, einen Pufferspeicher unterzubringen, damit eine Solarthermieanlage Warmwasser bereitstellen und die Heizung unterstützen könne. Bei einer Pelletheizung sei der Pufferspeicher größer, außerdem brauche man Platz für das Pelletlager, dafür sei das ehemalige Öllager geeignet. Für Hausbesitzer, die eine alte Anlage ersetzen, steigt die Förderung, wenn gleichzeitig das gesamte Heizsystem optimiert wird, so der Tipp des Energieberaters: „Das ist auch etwas, das sich echt lohnt.“

Zum Schluss schaut sich Kaiser die Einliegerwohnung im Untergeschoss an, die Familie Hummel barrierefrei umbauen will. Der Tipp des Energieberaters: Das Förderprogramm „Energieeffizient Sanieren“ lässt sich gut mit dem Programm „Altersgerecht Umbauen“ kombinieren. Denn: „Was Sie jetzt investieren, soll zukunftssicher sein.“

Fakten zum Projekt

  • Energieberatung für Wohngebäude: Einfamilienhaus mit Einliegerwohnung, 356 m2 beheizte Wohnfläche, Baujahr 1966
  • Vom Energieberater empfohlene Förderprogramme des BMWi: KfW-Programme „Energieeffizient Sanieren“ (151/152) und (430); Marktanreizprogramm (MAP) „Wärme aus erneuerbaren Energien“ – Solarthermie; KfW-Programm „Erneuerbare Energien“ (270) – Photovoltaikanlage
  • Primärenergiebedarf Istzustand: 633,3 kWh/m2a; im Sanierungsfahrplan empfohlener sanierter Zustand: 20,8 kWh/m2a (Einsparung: 96,9 %). CO2-Emissionen Istzustand: 154,1 kg/m2a; im Sanierungsfahrplan empfohlener sanierter Zustand: 0,2 kg/m2a (Einsparung: 99,9 %)