Handwerkerinnen in Werkstadt

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Steigende Stromrechnungen machen auch dem Handwerk zu schaffen. Das gab für Waltraud Schöne, Mitinhaberin einer Essener Goldschmiede, den Anstoß, das erste Energieeffizienz-Netzwerk von Unternehmerfrauen im Handwerk zu gründen. Sie wollte ihren Betrieb im Team mit Gleichgesinnten fit für die Zukunft machen.

So starteten im Februar 2016 neun Essener Handwerksbetriebe – darunter drei Elektro- und zwei Malerbetriebe, die Goldschmiede, zwei Dachdeckerbetriebe und eine Unternehmensberaterin – das erste Energienetzwerk von Unternehmerfrauen im Handwerk mit einer zweijährigen Laufzeit.

Die Initiative Energieeffizienz-Netzwerke wird von der Bundesregierung zusammen mit 22 führenden Wirtschaftsverbänden getragen und von der Deutschen Energie-Agentur (dena) im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) koordiniert. Das Ziel: Durch bessere Energieeffizienz den Energieverbrauch und die Energiekosten in Unternehmen zu senken, die Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern und das Klima zu schützen.

So viel Energie kann ein Handwerksbetrieb sparen

Wo sind Einsparpotenziale beim Energieverbrauch in kleinen Betrieben? Handwerksbetriebe könnten durch einfache Effizienzmaßnahmen bis zu zehn Prozent ihrer Energiekosten reduzieren, weiß Jörg Wegener, Energieberater von der Energiegenossenschaft Rhein-Ruhr, aus Erfahrung. Er übernahm die Energieberatung für das Essener Energienetzwerk. Die Kosten dafür trug die Energiegenossenschaft.

Wo verstecken sich die Energieverschwender im Handwerk? Energieberater Wegener nahm den Energieverbrauch der neun Kleinbetriebe unter die Lupe. Alle Betriebe hatten ineffiziente alte Leuchtstoffröhren, die unnötig viel Strom verschlingen. Geräte liefen im stromfressenden Standby-Betrieb, obwohl sie stundenlang oder tageweise nicht genutzt wurden.

Mit Hilfe einer Wärmekamera entdeckte der Energieberater in den Werkstätten und Ladengeschäften ineffiziente Dämmung und fehlende Abdichtungen. Ein zu stark gekühlter Serverraum trieb in einem Elektrobetrieb zudem den Energieverbrauch in die Höhe.

Illustration mit verschiedenen Handwerkern, die ein Netzwerk bilden

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Wie das Handwerk zum Klimaschutz beitragen kann

Auf Basis der Einsparpotenziale jedes Betriebs setzte sich das Essener Energienetzwerk das gemeinsame Ziel, in zwei Jahren insgesamt 13.500 Kilowattstunden Energie und rund fünf Tonnen des klimaschädlichen Treibhausgases CO2 einzusparen. Das entspricht dem CO2-Ausstoß von circa 700.000 Fahrtkilometern eines Mittelklassewagens. Ohne Effizienzmaßnahmen summierte sich bei den neun Betrieben mit insgesamt 100 Beschäftigten und 20 Azubis der Ausstoß des klimaschädlichen Treibhausgases CO2 auf bislang insgesamt 164 Tonnen pro Jahr.

Alle neun Betriebe profitieren bei den moderierten Netzwerktreffen vom Wissens- und Erfahrungsaustausch und den vielen gemeinsam mit dem Energieberater und der Moderatorin entwickelten Ideen, wie Energieverschwendung gestoppt werden kann.

Kleine Verhaltensänderungen verbessern die Energieeffizienz

Welche Effizienzmaßnahmen rechnen sich auch für kleine Betriebe? Bereits minimale Verhaltensänderungen bewirken große Einsparungen: So gehört der Standby-Betrieb von Geräten der Vergangenheit an. Das Licht wird in den Werkstätten oder Lagern ausgeschaltet, wenn sich niemand im Raum befindet.

In allen neun Betrieben gibt es dank des Netzwerks moderne effiziente LED-Beleuchtung, teils mit Präsenzmelder. Die Kosten für die Investition in LED-Beleuchtung werden die Betriebe in wohl zwei Jahren durch geringere Stromrechnungen rausholen, erklärt der Energieberater.

Günstige Abdichtungen stoppten die Wärmeverluste in den Betrieben. Seither ist in der Goldschmiede die unangenehme Zugluft verschwunden und das Raumklima besser. Im Elektrobetrieb soll die alte Ölheizung durch eine effiziente Wärmepumpe ersetzt werden, eine Photovoltaikanlage auf dem Dach ist ebenso geplant wie ein Elektroauto für den Kundendiensttechniker.